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Wildes Fleisch, Granulation oder Caro luxurians – oder der „Piercing Alptraum“ 

 

Ein immer wieder in meinem Alltag auftretendes Thema, dem ich mich einmal ausführlich, medizinisch, allgemein und als Piercer widmen möchte. 

 

Vorweg, für alle die nicht viel lesen möchten:

  1. Nein es kommt nicht bei jeder Person und auch nicht bei jedem Piercing vor! Es ist eher selten der Fall. 
  2. Nein es ist nicht bedrohlich oder gar Lebensgefährlich! Es nervt nur und sieht schlimm aus.
  3. Ja  es ist ohne chirurgische Eingriffe (wegschneiden oder ätzen) therapierbar, wie verraten wir natürlich bei uns vor Ort nach einem Lokalaugenschein. Denn oft wird ein Wildes Fleisch mit einer normalen geröteten Piercingwunde verwechselt. 

 

 

I. In einfachen Worten:

Wildfleisch bzw. caro luxurians ist ein wildes wachsen von Fleisch und Haut das im Rahmen eines Piercing bzw. dessen Abheilung auftreten kann. 

Bei Ohrknorpelpiercings und Piercings am Ohr allgemein aber auch am Nasenflügel kann das Wildfleisch öfters als an andern Körperstellen bzw. Piercings auftreten. 

Selten habe ich es bei den Labia Majora (äußeren Schamlippen) gesehen. Hin und wieder entdecke ich es auch an andern Stellen.

  

Der Grund das es bei Piercings am Ohr oder der Nase öfters vorkommt , das Knorpelgewebe durchstochen wird. Das Wildfleisch entsteht aus Wunden, bzw. aus Piercingwunden und besteht aus Hautzellen und Haargefäßen (mehr dazu später). Der Winkel des Stichkanals und die Technik des stechen haben einen Einfluss auf die Bildung von Wildfleisch, so kann es sein das bei manchen Piercern „oft“ und bei andern Piercern „selten“ Wildfleisch auftritt. 

 

Mann kann also sagen, das der Piercer einen Einfluss auf das Wildfleisch hat, es zumindest eher fördern oder verhindern kann. (Daher sollte man sich keines Falls selbst piercen oder mit der Ohrloch Pistole Schießen lassen.)

 

Aber auch der beste Piercer(in) kann das nicht immer beeinflussen und es ist auch immer eine Frage der Pflege, der Veranlagung des Kunden und des Schmuckes, viele kleine Faktoren bilden hier das Puzzle zusammen... 

 

Wildfleisch entzündet sich in der Regel nicht und eitert auch nicht. Jedoch blutet es oft und gerne. Dann bildet sich ein gelblicher Schorf aus dem Exsudat und verkrustet. Dies führt zu der Illusion, das dass Piercing eitern würde. 

 

Wildfleisch muss nicht aus medizinischen und gesundheitlichen Gründen entfernt werden!!! Aber da es keiner haben will, es unschön ist wollen die davon betroffenen Patienten es schnellst möglich loswerden!  

 

Wie Anfangs erwähnt lässt sich das wilde Fleisch OHNE Chirurgie entfernen! Der Weg zum Dermatologen bleibt jedem selbst überlassen aber ich als Piercer rate hiervon ab! Denn meine Erfahrung (was mir meine Kunden berichten) zeigt, das die meisten Mediziner das Wildfleisch nicht als solches erkennen und meist ratlos sind! Die dann gegebene Standardantwort ist: „Nehmen Sie das Piercing raus“ – letzteres löst das Problem zwar schon nach einiger Zeit ist aber nicht nötig. Andere verschreiben schwere Antibiotika was auch wenig oder nichts nütz, denn es ist kein eine bakterielle Infektion!  Selten aber dennoch veröden oder verätzen es manche bzw. schneiden es mit dem scharfen Löffel weg.  -> Und meist kommt es dennoch wieder! 

 

Aus meiner Erfahrung lässt sich Wildfleisch bei Piercings meist schmerzfrei und ohne Narben und bleibende Schäden recht einfach vom Kunden entfernen wenn er die richtige Behandlung und Mittel genannt bekommt. (Ab und zu ist auch ein Material / Piercingwechsel zudem nötig) 

 

Als Kunde sollte man keinesfalls das Wildfleisch ausdrücken, einstechen, oder verbrennen oder mit „irgendwas“ behandeln sondern rat bei einem Piercer suchen, der einem im Falle der Ratlosigkeit ggf. zu einem Arzt senden kann. 

 

Unsere Kunden bekommen ein Wildfleisch in der Regel in 14 Tagen komplett in den Griff, also kein Grund zur Sorge! 

 

 

II. Medizinisch erörtert: 

 

Überschießend wucherndes Granulationsgewebe -  Wildesfleisch bzw. Caro luxurians „wildes Fleisch“ ist medizinisch gesehen eine „Granulation“. 

Eine Granulation (Körnung) wird in der Dermatologie also ein Bildung von jungen Bindegewebe bezeichnet. Das junge Bindegewebe ist aufgrund der vorhanden Wundheilung nach dem stechen eines Piercings gut durchblutet, also von vielen kleinen Blutgefäßen (Kapillaren) durchzogen. Aufgrund der vielen kleinen Blutgefäße erscheint die Oberfläche rau oder Körnig – also granuliert!
Deswegen kann man Wildfleisch auch als Granulationsgewebe bezeichnen. 

 

Ein Piercing verursacht eine Wunde, die Wundränder sind meist minimal (nicht sichtbar) auseinander klaffend (hier kann die Nadel, der Winkel und Stichtechnik viel beeinflussen) Im Rahmen der Wundheilung (Sekundärheilung) kann einige Tage nach dem Piercen meist 10 Tage oder mehr ein Wildfleisch bemerkt werden. 

 

Bei vielen Wunden kann eine Granulation auftreten und unbemerkt vergehen, wenn es aber zu einer überschießender Granulation kommt spricht man vom unbeliebten Wildfleisch. 

 

 

III. Aus der Piercing Praxis: 

 

Wildfleisch ist bei uns selten! Es kommt aber dennoch vor. Meist nach ein paar Tagen nach dem stechen, was mit der richtigen Therapie aber in einigen Tagen abklingt und der Heilung keinen schaden zufügt. 

 

Wildfleisch kommt aber auch gerne nach einigen Monaten, nach oder vor dem Wechseln obwohl die Heilung erfolgreich verlaufen ist! Warum? 

 

Ganz einfach, wie oben geschrieben kann im Rahmen der Wundheilung ein Wildfleisch auftreten. Wenn also ein verheiltes Piercing „verletz“ wird kommt es zu einer neuen Wundheilung. Wenn es hier durch die Verletzung  zu auseinander klaffenden Wundrändern kommt, dann kann Wildfleisch begünstigt werden. 

 

Eine Verletzung kann durch ein Hängenbleiben, ein starkes Ziehen, ein schlechter Wechsel von Schmuck uvm. ausgelöst werden.  Um so wichtiger ist es den Erstschmuck nach der vom Piercer vorgegebenen Zeit wechseln zu lassen und keinesfalls selbst zu tauschen! 

 

Bei fragen uns sorgen zum Thema Wildfleisch kommen Sie bitte mit Termin zu uns ins Studio!